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ICT-Arbeitsmarkt

ICT-Arbeitsmarkt-Bulletin Oktober 2026: Erster Rückgang seit März, aber weniger Inserate

Die Oktoberzahlen für den Schweizer ICT-Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit, Online-Inserate, offene Stellen und konjunktureller Kontext im Vergleich zu Vormonat und Vorjahr.

Latif Adili8 Min. Lesezeit

Das SECO hat am 5. November die Oktoberzahlen publiziert, und der nexmi ICT-Arbeitsmarkt-Report ist entsprechend aktualisiert. Für September ist kein eigenes Bulletin erschienen, deshalb ordnet dieses Bulletin beide Monate ein. Neu sind ausserdem der KOF-Beschäftigungsindikator für das vierte Quartal und der UZH/Adecco-Bericht zum dritten Quartal.

Die kurze Fassung: Die Arbeitslosigkeit in der Informatik ist im Oktober erstmals seit März gesunken und liegt nur noch 1,3 Prozent über dem Vorjahr, während sie in der Gesamtwirtschaft weiter steigt. Ein Monat ist allerdings noch keine Trendwende. Bei den Online-Inseraten ist das Bild eindeutiger: In der Arbeitgeberbranche Information und Kommunikation lag der Oktoberdurchschnitt so tief wie seit Januar 2021 nicht mehr, während sich der Gesamtmarkt seit dem Sommer erholt.

Arbeitslosigkeit: erster Rückgang seit März

In der SECO-Wirtschaftsabteilung «Informatik» (NOGA J62) waren im Oktober 2026 4'052 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 60 Personen oder 1,5 Prozent weniger als im September und 51 Personen oder 1,3 Prozent mehr als im Oktober 2025. Die Branchenquote blieb bei 4,1 Prozent, nach 4,0 Prozent vor einem Jahr.

Oktober 2026September 2026Oktober 2025
Informatik (J62), Arbeitslose4'0524'1124'001
Informatik (J62), Quote4,1 %4,1 %4,0 %
Schweiz total, Arbeitslose141'015140'480135'212
Schweiz total, Quote3,0 %3,0 %2,9 %

Rückblick auf den September. Der Bestand in der Informatik stieg zum sechsten Mal in Folge, um 33 Personen oder 0,8 Prozent auf 4'112. Seit dem Märzwert von 3'786 sind das zusammen 326 Personen oder 8,6 Prozent mehr. In der Gesamtwirtschaft ging die Arbeitslosigkeit im selben Monat dagegen um 1'064 Personen oder 0,8 Prozent zurück.

Im Jahresvergleich lag die Informatik mit +3,0 Prozent weiterhin unter der Gesamtwirtschaft mit +5,4 Prozent. Der Abstand ist aber kleiner geworden: Im August standen sich noch +2,4 und +7,1 Prozent gegenüber.

Die Frage für Oktober war deshalb, ob sich diese Lücke weiter schliesst. Die Antwort ist nein: Die Informatik liegt nun 1,3 Prozent über dem Vorjahr, die Gesamtwirtschaft 4,3 Prozent. Dort stieg die Zahl der Arbeitslosen im Oktober um 535 Personen oder 0,4 Prozent auf 141'015. Der Abstand ist damit wieder auf 3,0 Prozentpunkte gewachsen, nach 2,4 Punkten im September.

Auch gegen das Vorjahr fällt der Oktober auf: 2025 stieg der Bestand in der Informatik von September auf Oktober noch leicht, um 7 Personen. Ob der Rückgang anhält, zeigen erst die nächsten Monate. Seit dem Märzwert von 3'786 liegt der Bestand weiterhin 266 Personen oder 7,0 Prozent höher.

Ein Teil der Anstiege im Herbst ist saisonal. 2025 stieg der Bestand von Juni (3'774) bis Dezember (4'180) in jedem Monat. Aussagekräftiger als die Monatsfolge ist deshalb der Vorjahresvergleich. Ebenso gilt: Die Branchenquote ist laut SECO leicht überschätzt und nicht direkt mit der gesamtwirtschaftlichen Quote vergleichbar. Aussagekräftig ist die Veränderung über die Zeit, nicht der Niveauvergleich.

Information und Kommunikation insgesamt

Die breitere SECO-Abteilung «Information und Kommunikation» (J58–63) zählte im Oktober 6'927 Arbeitslose, 0,9 Prozent weniger als im September und 10,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ihre Quote lag bei 4,2 Prozent, nach 3,8 Prozent im Oktober 2025. Der Rückgang zum Vormonat stammt vollständig aus der Informatik: Ohne J62 blieb der Bestand mit 2'875 Personen unverändert.

Im Vorjahresvergleich ist das Bild ein anderes. Ohne Informatik liegt die Abteilung rund 27 Prozent über dem Oktober 2025 (2'875 nach 2'270). Im August waren es noch rund 35 Prozent. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Branche spielt sich also weiterhin vor allem ausserhalb der IT-Dienstleister ab, bei Telekommunikation, Medien und Verlagen.

Diese Unterscheidung ist auch für die Online-Inserate wichtig, denn der Swiss Job Tracker erfasst dieselbe breite Branche – inklusive Telekommunikation, Medien und Verlagen.

Online-Stellenanzeigen: so tief wie seit Anfang 2021 nicht mehr

Der wöchentliche Swiss Job Tracker von KOF, Universität Lausanne und x28 weist für die Arbeitgeberbranche Information und Kommunikation im Oktober einen Monatsdurchschnitt von 92,6 Indexpunkten aus (Januar 2020 = 100), bei einer engen Spanne von 92,3 bis 92,9. Das ist der tiefste Monatswert seit Januar 2021. Gegenüber dem Septemberdurchschnitt von 93,0 ist das ein leichter Rückgang, gegenüber dem Oktober 2025 mit 100,5 Punkten ein Minus von 7,9 Prozent.

Der Gesamtmarkt entwickelt sich anders. Er lag im Oktober bei 122,3 Punkten und damit 4,5 Prozent unter dem Vorjahr, hat sich seit dem Sommer aber erholt: Im Juli stand er bei 118,6 Punkten. Information und Kommunikation lag im Oktober dagegen noch leicht unter dem Juliwert von 93,0.

Im Vorjahresvergleich öffnet sich damit die Schere:

Veränderung zum VorjahresmonatAugustSeptemberOktober
Information und Kommunikation−6,5 %−6,8 %−7,9 %
Gesamtmarkt−5,4 %−6,1 %−4,5 %

Der Index misst technisch bereinigte, wöchentlich einzigartige Online-Inserate und ist nicht saisonbereinigt. Er ist keine absolute Stellenzahl und nicht mit den BESTA-Werten vergleichbar.

Offene Stellen: nächster amtlicher Stand Ende November

Für die offenen Stellen bleibt das zweite Quartal 2026 der jüngste amtliche Stand. Das BFS wies bei den IT- und Informationsdienstleistern (NOGA 62–63) 3'920 offene Stellen aus, 12,6 Prozent mehr als im Vorquartal und 4,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahlen für das dritte Quartal publiziert das BFS voraussichtlich Ende November.

Konjunktureller Rahmen: Stellenpläne weiter leicht positiv

KOF-Beschäftigungsindikator – am 2. November für das vierte Quartal 2026 publiziert. Er sinkt leicht auf 2,0 Punkte, nach 2,3 Punkten im Vorquartal (revidiert von 2,1). Damit liegt er weiterhin über dem langjährigen Mittelwert von 1,7: Per saldo wollen mehr Unternehmen Personal aufbauen als abbauen. Der Rückgang geht vor allem auf eine vorsichtigere Beurteilung des aktuellen Personalbestands zurück (0,8 nach 1,3 Punkten). Die Beschäftigungserwartungen blieben mit 3,2 Punkten praktisch stabil.

Unter der Oberfläche verschiebt sich allerdings etwas. Die übrigen Dienstleistungen tragen zwar weiterhin positiv bei, ihr Wert ist aber seit Ende 2025 in jedem Quartal gesunken, von 9,6 auf 4,4 Punkte – so tief wie zuletzt Anfang 2021. Einen eigenen Wert für die ICT-Branche weist die KOF nicht aus.

SNB-Leitzins – unverändert bei 0 Prozent, bestätigt in der Lagebeurteilung vom 24. September 2026. Die nächste Lagebeurteilung folgt am 10. Dezember.

SECO-Konjunkturprognose – seit dem 17. September unverändert: 1,7 Prozent Wachstum des sportevent-bereinigten BIP für 2026, eine Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent im Jahresdurchschnitt 2026 und 3,0 Prozent für 2027. Die nächste Prognose erscheint voraussichtlich im Dezember.

Berufssicht: UZH/Adecco ohne eigene Informatik-Auswertung

Der Adecco Group Swiss Job Market Index der Universität Zürich und der Adecco Gruppe meldet für das dritte Quartal 2026 ein Plus von 0,8 Prozent bei den ausgeschriebenen Stellen, sowohl gegenüber dem Vorquartal als auch gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Bericht vom 15. Oktober legt den Schwerpunkt auf Handwerks- und technische Berufe. Informatikberufe wertet er diesmal nicht separat aus.

Ein Befund daraus ist für die ICT-Debatte trotzdem relevant: Die Arbeitslosigkeit unter Akademikerinnen und Akademikern steigt seit 2023. Laut einer im Bericht zitierten Studie (Kläui & Siegenthaler, 2025) lässt sich davon höchstens ein Fünftel auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zurückführen. Als weitere mögliche Gründe nennt der Bericht weltwirtschaftliche Faktoren wie Zölle und hohe Energiepreise, die Unternehmen bei Neueinstellungen vorsichtiger machen könnten.

Was sich daraus ableiten lässt – und was nicht

Für Unternehmen: Die Branche schreibt so wenig online aus wie seit Anfang 2021 nicht mehr, und in der Informatik sind etwas mehr Personen arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr. Die Verfügbarkeit von Profilen ist damit eher etwas besser als vor einem Jahr. Von einem Arbeitgebermarkt kann aber keine Rede sein: Der Anstieg ist mit 1,3 Prozent klein, und im Oktober ist der Bestand sogar gesunken.

Für ICT-Talente: Die Online-Nachfrage der Branche ist schwach, die Stellenpläne der Unternehmen insgesamt bleiben laut KOF aber leicht positiv. In der Informatik steigt die Arbeitslosigkeit deutlich langsamer als in der Gesamtwirtschaft. Gesamtzahlen sagen allerdings nichts darüber aus, wie gefragt eine einzelne Rolle oder ein bestimmtes Profil ist.

Und generell: Keine dieser Reihen bildet für sich allein den ICT-Arbeitsmarkt ab. SECO und BFS betrachten Branchen, UZH/Adecco betrachtet Berufe, der Swiss Job Tracker misst Inserate. Die Werte lassen sich nicht zu einer gemeinsamen Zahl addieren. Genau deshalb weist der Report sie getrennt und mit ihren Abgrenzungen aus.

Die laufend aktualisierten Werte und Charts stehen im nexmi ICT-Arbeitsmarkt-Report.

Datenstand: SECO Oktober 2026, publiziert am 5. November 2026; Swiss Job Tracker, Vintage 6. November 2026; KOF-Beschäftigungsindikator 4. Quartal 2026, publiziert am 2. November 2026; BFS BESTA 2. Quartal 2026, Datenbankstand 27. August 2026; SNB-Lagebeurteilung vom 24. September 2026; SECO-Konjunkturprognose vom 17. September 2026; UZH/Adecco 3. Quartal 2026, publiziert am 15. Oktober 2026. Quellen: SECO – Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, Oktober 2026 (öffnet in neuem Tab), KOF – Beschäftigungsindikator 4. Quartal 2026 (öffnet in neuem Tab), KOF Swiss Job Tracker (öffnet in neuem Tab), BFS – Offene Stellen nach Wirtschaftsabteilungen (öffnet in neuem Tab), SNB – Geldpolitische Lagebeurteilung vom 24. September 2026 (öffnet in neuem Tab), SECO – Konjunkturprognose vom 17. September 2026 (öffnet in neuem Tab) und UZH/Adecco – Swiss Job Market Index (öffnet in neuem Tab).

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