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ICT-Arbeitsmarkt

ICT-Arbeitsmarkt-Bulletin August 2026: Anstieg ja, aber deutlich langsamer als im Gesamtmarkt

Die Augustzahlen für den Schweizer ICT-Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit, offene Stellen, Online-Inserate und konjunktureller Kontext im Vergleich zu Vormonat und Vorjahr.

Latif Adili6 Min. Lesezeit

Das SECO hat am 7. September die Augustzahlen publiziert, und der nexmi ICT-Arbeitsmarkt-Report ist entsprechend aktualisiert. Dieses Bulletin ordnet ein, was sich im August gegenüber dem Vormonat und dem Vorjahr verändert hat.

Die kurze Fassung: Die ICT-Arbeitslosigkeit ist im August zum fünften Mal in Folge gestiegen. Im Jahresvergleich wächst sie jedoch nicht einmal halb so schnell wie die Arbeitslosigkeit in der Gesamtwirtschaft. Gleichzeitig zeigen die offenen Stellen wieder nach oben, während die Online-Inserate auf tiefem Niveau seitwärts laufen.

Arbeitslosigkeit: fünfter Anstieg in Folge

In der SECO-Wirtschaftsabteilung «Informatik» (NOGA J62) waren im August 2026 4'079 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 63 Personen oder 1,6 Prozent mehr als im Juli und 94 Personen oder 2,4 Prozent mehr als im August 2025. Die Branchenquote stieg von 4,0 auf 4,1 Prozent.

August 2026Juli 2026August 2025
Informatik (J62), Arbeitslose4'0794'0163'985
Informatik (J62), Quote4,1 %4,0 %4,0 %
Schweiz total, Arbeitslose141'544139'276132'105
Schweiz total, Quote3,0 %3,0 %2,8 %

Zwei Beobachtungen aus der Reihe:

Der Anstieg ist kein Ausreisser. Seit dem Märzwert von 3'786 hat der Bestand in jedem der fünf Folgemonate zugelegt – zusammen um 293 Personen oder 7,7 Prozent. Der Augustwert ist der höchste seit Dezember 2025, als die Reihe mit 4'180 ihren bisherigen Höchststand erreichte.

Der Vergleich mit dem Gesamtmarkt fällt trotzdem zugunsten der Informatik aus. Im Monatsvergleich bewegen sich beide gleich schnell: J62 +1,6 Prozent, Schweiz total +1,6 Prozent. Im Jahresvergleich gehen sie klar auseinander – +2,4 Prozent in der Informatik gegenüber +7,1 Prozent in der Gesamtwirtschaft. Der ICT-Arbeitsmarkt entwickelt sich also nicht schlechter als der Rest, sondern spürbar stabiler.

Ein Vorbehalt gehört dazu: Die Branchenquote von 4,1 Prozent liegt über der gesamtwirtschaftlichen Quote von 3,0 Prozent. Laut SECO sind die Quoten nach Wirtschaftszweig aber leicht überschätzt und methodisch nicht direkt mit der allgemeinen Arbeitslosenquote vergleichbar. Aussagekräftig ist hier die Veränderung über die Zeit, nicht der Niveauvergleich.

Der Druck liegt nicht bei der Informatik, sondern daneben

Im August-Dossier des SECO lohnt sich der Blick eine Ebene höher. Die gesamte Abteilung «Information und Kommunikation» (J58–63) zählte 7'027 Arbeitslose – 14,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Informatik als grösster Teil davon legte im selben Zeitraum nur um 2,4 Prozent zu.

Rechnet man die Informatik heraus, bleiben für die übrigen Teile der Abteilung – Verlage, Film und Rundfunk, Telekommunikation, Informationsdienstleistungen – 2'948 Arbeitslose gegenüber 2'181 ein Jahr zuvor. Das ist ein Plus von 767 Personen oder rund 35 Prozent.

Wer also «Information und Kommunikation» als Näherung für den ICT-Arbeitsmarkt liest, überzeichnet die Lage in der Informatik deutlich. Der Report weist die beiden Ebenen bewusst getrennt aus.

Offene Stellen: BESTA wieder über Vorjahresniveau

Für die offenen Stellen ist der jüngste amtliche Stand das zweite Quartal 2026 – publiziert Ende August und damit ebenfalls neu in diesem Zyklus. Das BFS wies in den Arbeitgeberbranchen IT- und Informationsdienstleistungen (NOGA 62–63) 3'920 offene Stellen aus:

  • +438 Stellen oder +12,6 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2026
  • +180 Stellen oder +4,8 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025

Das ist erst das zweite von sechs Quartalen seit Anfang 2025, in dem der Vorjahresvergleich positiv ausfällt. Von den fünf Quartalen davor lagen vier im Minus, 2026 Q1 zuletzt bei −15,8 Prozent.

Wichtig für die Einordnung: Das BFS hat im August 2026 die Ergebnisse von 2018 Q2 bis 2026 Q1 revidiert. Die Reihe im Report wurde vollständig auf den revidierten Stand gezogen, ältere Vergleichswerte aus früheren Publikationen stimmen deshalb nicht mehr überein.

Online-Stellenanzeigen: seitwärts, aber unter dem Niveau von 2020

Der wöchentliche Swiss Job Tracker von KOF, Universität Lausanne und x28 zeigt für die Arbeitgeberbranche Information und Kommunikation im August einen Monatsdurchschnitt von 93,7 Indexpunkten (Januar 2020 = 100), mit einer engen Spanne von 93,2 bis 94,1. Gegenüber dem Julidurchschnitt von 93,0 ist das eine minimale Aufwärtsbewegung, gegenüber dem August 2025 ein Rückgang um 6,5 Prozent.

Bemerkenswert ist weniger die Bewegung als das Niveau. Der Gesamtmarkt lag im August bei 121,1 Punkten, also rund ein Fünftel über dem Referenzwert von Januar 2020. Information und Kommunikation liegt mit 93,7 Punkten darunter. Die Online-Nachfrage in dieser Branche hat den Stand von Anfang 2020 also nicht wieder erreicht, während der breite Stellenmarkt ihn deutlich übertroffen hat.

Der Index misst technisch bereinigte, wöchentlich einzigartige Online-Inserate und ist nicht saisonbereinigt. Er ist keine absolute Stellenzahl und nicht mit den BESTA-Werten vergleichbar.

Konjunktureller Rahmen: freundlicher geworden

Drei Kontextwerte im Report haben sich in den letzten Wochen verändert oder bestätigt:

KOF-Beschäftigungsindikator – am 3. August publiziert und damit der erste Neuwert des Monats. Für das dritte Quartal 2026 stieg er von 1,55 auf 2,06 Punkte und liegt damit über dem langjährigen Mittelwert von 1,7. Die befragten Unternehmen planen also insgesamt eher Aufbau als Abbau.

SNB-Leitzins – unverändert bei 0 Prozent. Die jüngste publizierte geldpolitische Lagebeurteilung datiert vom 18. Juni 2026, das Niveau besteht seit dem 20. Juni 2025. Die nächste vertiefte Lagebeurteilung ist auf den 24. September 2026 angesetzt.

SECO-Konjunkturprognose – am 17. September deutlich angehoben. Die Expertengruppe des Bundes erwartet für 2026 neu 1,7 Prozent Wachstum des sportevent-bereinigten BIP statt der im Juni prognostizierten 0,9 Prozent. Für die Arbeitslosenquote rechnet sie im Jahresdurchschnitt 2026 mit 3,1 Prozent und 2027 mit 3,0 Prozent.

Ein Hinweis zur Vorsicht liefert dieselbe Prognose allerdings mit: Im zweiten Quartal dämpften rückläufige Investitionen in IT-Dienstleistungen und Maschinen den Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen. Ein tiefer Leitzins und eine höhere BIP-Prognose übersetzen sich nicht automatisch in zusätzliche ICT-Stellen.

Was sich daraus ableiten lässt – und was nicht

Für Unternehmen: Die Verfügbarkeit von Kandidatinnen und Kandidaten hat sich über die letzten fünf Monate leicht verbessert, ohne dass der Markt gekippt wäre. Gleichzeitig ziehen die offenen Stellen wieder an. Wer eine Suche plant, trifft auf etwas mehr verfügbare Profile als im Frühjahr – aber nicht auf einen Arbeitgebermarkt.

Für ICT-Talente: Ein Plus von 94 registrierten Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr ist keine Trendwende – aus Bestand und Quote ergibt sich für die Wirtschaftsabteilung eine Bezugsgrösse von rund 100'000 Erwerbstätigen. Die Zahlen sagen nichts über eine einzelne Rolle aus. Entwickler:innen und Softwareanalyst:innen haben im UZH/Adecco-Benchmark zugelegt, während ICT-, Datenbank- und Netzwerkspezialist:innen rückläufig waren.

Und generell: Keine dieser Reihen bildet für sich allein den ICT-Arbeitsmarkt ab. SECO und BFS betrachten Branchen, UZH/Adecco betrachtet Berufe, der Swiss Job Tracker misst Inserate. Die Werte lassen sich nicht zu einer gemeinsamen Zahl addieren. Genau deshalb weist der Report sie getrennt und mit ihren Abgrenzungen aus.

Die laufend aktualisierten Werte und Charts stehen im nexmi ICT-Arbeitsmarkt-Report.

Datenstand: SECO August 2026, publiziert am 7. September 2026; BFS BESTA 2. Quartal 2026, Datenbankstand 27. August 2026; Swiss Job Tracker, Vintage 18. September 2026; KOF-Beschäftigungsindikator 3. Quartal 2026, publiziert am 3. August 2026; SECO-Konjunkturprognose vom 17. September 2026; UZH/Adecco 2. Quartal 2026, publiziert am 9. Juli 2026. Quellen: SECO – Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, August 2026 (öffnet in neuem Tab), BFS – Offene Stellen nach Wirtschaftsabteilungen (öffnet in neuem Tab), KOF Swiss Job Tracker (öffnet in neuem Tab), SECO – Konjunkturprognose vom 17. September 2026 (öffnet in neuem Tab) und UZH/Adecco – Swiss Job Market Index (öffnet in neuem Tab).

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